Donnerstag, 11. Juli 2013

Creepypasta #1: Das Flüstern des Waldes

Vorne weg: Ich liebe Creepypastas und wollte einfach selbst mal eine schreiben. Eher weniger ohne blutige Eingweide aber lieber mit Psychohorror. Ob mir das alles so gelungen ist weiß ich jedoch leider nicht. Feedback ist erwünscht!

Du stehst allein im Wald.
Spürst du es?
Hörst du es?
Hörst du das Flüstern des Waldes, spürst du, wie der Wind durch deine Haare fährt, fühlst du, wie er dich streichelt, dich liebkost?
Dann kannst du sie auch sehen, diese Welt, die versteckt und trotzdem direkt vor deinen Augen liegt.
Du drehst dich um und du siehst sie tatsächlich.
Direkt vor deinen Augen erhebt sie sich, die verborgene Welt.
Die Biene, nach der du vorhin noch mit der Hand geschlagen hast, hat plötzlich die grazile Gestalt einer Fee angenommen und schwebt über den Waldboden hinweg.
Wenn du nun den nächsten Schritt tust, kommst du nicht mehr zurück, das wird dir auf einmal schlagartig klar. Du bist dabei eine Welt zu betreten, die dich gefangen nehmen wird und nie wieder wirst du aus ihrer Umklammerung entkommen.
Bist du bereit?
Menschen kommen Tag für Tag zurück, und bringen es nie übers Herz diesen Schritt zu tun.
Wirst du?
Du atmest tief durch, spürst, wie die Luft in deine Lungen fließt und sie langsam füllt, dann hebst du deinen Fuß, fast wie von selbst, als wäre es nicht einmal deine Entscheidung, und schon hast du die Grenze überschritten.
Du blickst zurück, nur kurz, aber du merkst, wie alles anders ist. Äußerlich ist der Wald gleich geblieben, das weißt du, du fühlst es tief in dir drin. Und du spürst, die er die ins Ohr flüstert, der Wald, ja du hörst das Wispern des Waldes viel deutlicher, es zieht dich hinein, tief in das Herz des Waldes, an den Ort an dem die Bäume so dicht stehen, das du die Hand vor Augen nicht mehr siehst.
Du folgst dem Ruf der Bäume mit einem Lächeln auf deinen Lippen, du kannst es nicht steuern, aber es wird immer breiter und zufriedener. Denn obwohl es dir Angst macht, die Vorstellung nie zurückzukehren, die tief in dir aufsteigt, verspürst du tatsächlich Zufriedenheit, die wie eine warme Welle in dir aufsteigt. Also läufst du weiter.
Schon bald werden sie dir begegnen, die Kreaturen, die diese Gefilde bevölkern.
Doch zuerst hörst du sie, du bemerkst, dass sie dir die ganze Zeit im Ohr saßen. Es sind ihre Worte, die durch den Wald hallen.
Obwohl du nicht genau weißt, was sie dir ins Ohr hauchen in einer fremden Sprache, die du noch nie vorher gehört hast, weißt du, was sie dir sagen wollen: „Komm zu uns, folge uns!“
Und du gehorchst.
Weiter und tiefer in den Wald hinein, bis du auf einer kleinen Lichtung stehen bleibst.
Du schaust dich kurz um. Der Wald ist freundlich, Sonnenlicht scheint durch das grüne Blätterdach.
Sämtliche Zweifel, die du anfangs vielleicht hattest sind auf einmal verschwunden. Du genießt nur noch die Natur um dich herum, atmest die frische Luft und lässt dir die Sonne auf die Haut scheinen.
Doch selbst in der hellsten Welt gibt es Schatten. Ebendiese Schatten können tödlich sein.
Doch du wirst sie ignorieren, auch wenn du zweifelst. Das Paradies liegt dir zu Füßen, warum also sollte es eine dunkle Seite haben? Hier ist alles perfekt!
Du wirst dir weiter deinen Weg durch diese andere und trotzdem so gleiche Welt bahnen und selbst, wenn du dir die Füße wund läufst, wirst du keinen Schmerz spüren. Irgendwann wirst du an eine Quelle gelangen.
Elfen und Feen, Nymphen und andere bunte Wesen, die, von denen man dir in all den Märchen erzählt hat... Sie sind es, die nach dir gerufen haben. Von diesem Ort gingen die die Stimmen aus. Glockenhell.
Du wirst dich zu ihnen gesellen. Schon immer wolltest du Teil dieser faszinierenden, glitzernden Welt sein, beherrscht von diesen wundervollen Gestalten aus Mythen und Legenden.
Doch in jedem Märchen, jeder noch so wundervollen Geschichten gibt es auch die Bösen... Und nicht immer gewinnt das Gute gegen sie. Auch du sollst das bald erfahren, deine Faszination soll schrecklicher Angst weichen!
Du möchtest in die Quelle steigen, mit den anderen planschen, obwohl du sie nicht kennst, sind sie deine Freunde.
Du legst deine Klamotten ab: Schuhe, Hose, Oberteil.
Doch als deine Zehen die Wasseroberfläche berühren, beginnt sie sich zu kräuseln, obwohl kein Windhauch weht. Die Wesen um dich herum beginnen zu kichern. Zuerst mag es noch freundlich klingen. Vielleicht freuen sie sich, dass du zu ihnen kommst? Du bist doch ihr Freund.
Doch das Lachen wird anschwellen, hysterischer werden, lauter, schrecklicher.
Du möchtest in das Wasser eintauchen, das Kichern nicht mehr hören. Es macht dir Angst, jagt dir einen Schauer über den Rücken, doch etwas hindert dich daran. Brodelnd, fast als würde es kochen, weißt dich das Wasser ab. Du stolperst, fällst.
Etwas steigt aus dem Wasser empor: Dunkel, Bedrohlich.
Hastig kriechst du zurück, greifst nach deinen Klamotten und willst wegrennen. Das Ungetüm aus dem See greift nach dir, streckt seine dunkle Pranke nach dir aus. Keuchend, röchelnd, stinkend.
Du möchtest Schreien, doch deine Kehle verschluckt jeden Laut. Stattdessen brichst du in ein erbitterliches Schluchzen aus.
Du musst weg von hier. Schnell!
Du rappelst dich auf und beginnst zu rennen, drehst dich nicht um, schaust nicht zurück. Hauptsache du kommst heraus aus dem Wald, zurück in die Zivilisation, zu Menschen. An einem Ort, an dem du sicher bist. Weg, weg, weg, weg von hier!
Plötzlich wirst du merken, dass sich auch der stille Frieden um dich herum verändert hat. Dunkelheit ist über den Wald hereingebrochen, die Bäumen scheinen größer. Bedrohlich blicken sie auf dich herab. Es scheint, als würden sie dich auslachen. Ein tiefes, kehliges Lachen, das sich mit dem Röhren der Bestie vereint.
Auch deine wunden Füße beginnen zu schmerzen. Alle Schorfe brechen wieder auf und das kühle Blut rinnt über deine Zehen und der Schmerz ist auf einmal genauso real, wie dein Verfolger.
Heiße Tränen rinnen über dein dreckiges Gesicht. Wirst du hier sterben?
Du bleibst stehen. Ist es weg? Hat dein Verfolger aufgegeben?
Hektisch blickst du dich um. Du kennst diesen Ort. Von hier aus bist du losgezogen. Bist du in Sicherheit?
Du atmest tief durch, kommst wieder zu Kräften. Jetzt wirst du zurückkehren in dein altes Leben, wirst das alles hier vergessen, vielleicht war es ja doch nur ein Traum...
Du kehrst auf deinen ursprünglichen Waldweg zurück, schlenderst ihn entlang, beruhigt. In Sicherheit. Oder?
Du siehst die Stadt vor deinen Augen. Normalerweise bedeutet der graue Asphaltjunggel nur Stress, du bist hergekommen um zu entspannen, doch jetzt kannst du es gar nicht erwarten wieder zurück zu kommen.
Zu früh gefreut.
Erinnerst du dich an das, was ich dir am Anfang dieser Geschichte erzählt habe? Es gibt kein zurück.
Endlich möchtest du den letzten Schritt machen. Aus dem Wald hinaus. Doch du kannst nicht. Dein Fuß möchte sich nicht heben, klebt am Boden. Deine Hände schlagen gegen eine unsichtbare Wand.
„Nein“, hauchst du. Du bist gefangen.
Das Keuchen der Bestie kommt näher. Nur noch ein paar Sekunden, bis dich der Schatten verschlingt.

Auf Wiedersehen.